Wollen wir nicht mehr sehen: Fan-Schal

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Erste, rare modische Vorboten begannen um 2010 damit Fussball-Trikots und Fanschals zu tragen. Damals noch ein Bruch. Sie schwangen ihre Fussballschals ihres Lieblingsvereins nicht im Stadion zum kollektiven“Schalala“, sondern trugen sie im modischen Kontext: im hippen Nachtleben, auf Fashion Shows – fern ab des Bolzplatz.

Einer der ersten Marken, bei denen man das Potenzial erkannte: COMME des GARÇONS – das japanische Avantgarde-Label um Rei Kawakubo entwarf für die Frühjahr / Sommer 2013 Kollektion „Patchwork Soccer Flags“.

Es folgten ein Dutzend Marken, die mit dem Prollchic des Fussball-Fans spielten, darunter Gosha Rubchinskiy, bei dem seine kyrillischen Schriftzeichen besonders gut auf dem Fanschal funktionierten, Off-White, Wood Wood, Vetements, A Kind of Guise etc.

Es dauerte nicht lang und der Massenmarkt sprang auf: Weekday produzierte Fanschals auf dem „Eternity“ stand. Doch der Fanschal – ursprünglich ein Symbol, mit dem glühende Anhänger öffentlich ihre Zugehörigkeit  demonstrierten – verlor zunehmend an Anziehungskraft auf die modische Vorhut. Das Spiel der Mode ist einfach erklärt:

Ein „It-Piece“ – einer anderen Welt entnommen – ist genau so lang spannend, wie es einen Bruch darstellt, irritiert. Es verhält sich wie mit einem Stadtteil im Wandel. Wenn die ersten hippen Cafés in der roughen Hood aufmachen, ist es noch heiß, doch wenn weit und breit nur noch Poké Bowl Läden und Avocado-Toast-Cafés zu sehen sind, wird der Stadtteil flach und langweilig – büßt seine Anziehungskraft auf Opinion Leader ein.

Den Fanchal, liebe Fashionistas und Influencer, sollten wir wieder dem Fussballfan überlassen, der weiß, wie man ihn bindet (hinten, so dass das Vereinslogo vorne zu sehen ist) und trägt ihn mit Stolz, mit pochendem Herzen. Nicht wie ein beliebiges Fashion-Accessoire, dessen Träger mal wieder viel zu spät verstanden hat, was cool ist.

Category: News

Tags: Fanschal, Fussballschal

Von: David Kurt Karl Roth

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