WESTWOOD distanziert sich von neuer Dokumentation

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September 2015. Vivienne Westwood sitzt auf einem Panzerfahrzeug, der sich in langsamen Tempo dem Haus des britischen Premierminister David Cameron nähert. Einen Monat zuvor erteilte dieser eine Erlaubnis für eine umstrittene Methode der Erdgasgewinnung – Fracking – in 27 Gebieten. Westwood protestierte.

2015, London Fashion Week. Es ist die Show für Westwoods zweite Linie, das „Red Label“. Alarmsirenen ertönen, Protestschreie erfüllen den Raum. „TTIP IS A CRIM“, „CLIMATE REVOLUTION“, „FRACKING IS A CRIME“ Während die Models über den Laufsteg stolzieren, halten sie Schilder in die Höhe. Ein Protestmarsch.

Sie protestierte gegen die Neuanschaffung von Atom-U-Booten, produzierte Shirts mit der Aufschrift „I am not a terrorist, please don’t arrest me“, als die Anti-Terror-Gesetze in Großbritannien verschärft werden sollten. Die Einkünfte wurden gespendet.

Seit 2007 produziert Westwood ihre Kollektionen ohne Tierfelle, mit dem Erlös einer T-Shirt Kollektion unterstützte sie Wiki-Leaks, spendete eine Millionen Pfund an die Organisation „Cool Earth“, welche sich für den Erhalt von Regenwäldern einsetzt.

2011 reist der Modepunk nach Nairobi, Kenia. Dort ließ sie Taschen von den dort lebenden Frauen unter fairen Arbeitsbedingungen produzieren. Ihre Kollektion wurde nebenbei auch zur Kampagne, die die Aufmerksamkeit auf unwürdige Arbeitslöhne und Bedingungen in der Modebranche lenkte.

1981 startete Westwood ihr eigenes Label, seit den 70er Jahren bestimmt sie die Modeszene maßgeblich mit. Sie gilt als Erfinderin der Punkmode – und genießt auch heute, Jahrzehnte später, eine Relevanz, die in diesem so schnelllebigen Business alles andere als selbstverständlich ist.

Immer wieder schaffte sie es ihre zwei Passionen: die Mode und den Aktivismus miteinander zu vereinen. In der Dokumentation „Punk, Icon, Activist“  sollte es gerade um diese Verbindung gehen.

Lorna Tucker, Regisseurin und Initiatoren der Dokumentation, begleitete Westwood dafür fünf Jahre lang regelmäßig und verfolgte ihre Arbeit stetig. Das Endergebnis, eigentlich für den 31. März 2018 angesetzt, wurde nun wohl dem Westwood-Team im Voraus präsentiert. Und das war alles andere als begeistert.

Westwood selbst, Thema und Protagonistin des Films, wolle in keiner Weise mit der Dokumentation in Verbindung gebracht werden. Des Weiteren heißt es: Tucker hätte einen Film über Westwoods Rolle als Aktivistin machen wollen. Doch das Endergebnis würde nicht einmal „5 minutes activism“ beinhalten.

Stattdessen handele es sich dabei vor allem um zusammengeschnittenes Archiv-Material, welches frei und online verfügbar sei. „Es ist eine Schande, denn der Film ist mittelmäßig. Und Andreas und Vivienne sind es nicht.“

Bisher ist der Release-Day trotz alledem für den 31. März angesetzt.

Category: News

Tags: Lorna Tucker, Punk Icon Activist, Vivienne Westwood

Von: Carl Jakob Haupt

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