Schlechte Kunst: Virgil Abloh & Takashi Murakami

"Times Nature" - Gemeinschaftsarbeit von Abloh und Murakami, 2018

Nicht zum ersten Mal tun sich die beiden Aufmerksamkeitskünstler Virgil Abloh und Takashi Murakami für eine Ausstellung zusammen.

Vom 23. Juni 2018 an wird in der Pariser Dependance der Blue Chip-Galerie GAGOSIAN die gemeinsame Schau „Technicolor 2“ zu sehen sein – und ganz sicher ein großer Publikumserfolg.

Ob die gezeigte Kooperationskunst allerdings wirklich spannend ist, darf bezweifelt werden.

In einem aktuellen Artikel der Neuen Zürcher Zeitung (NZZ) mit dem Titel „So viel schlechte Kunst“ erläutert der in Kassel geborene Autor und Kunsthistoriker Christian Saehrendt Indizien für das erkennen schlechter Kunst.

Das seien zum einen „krude Marketingmethoden“, die sich vor allem an medialer Reproduzierbarkeit orientieren, also zum Beispiel daran, auf den Instagram-Accounts der Besucher gut auszusehen. Die plakativen, Logo-artigen Arbeiten von Abloh und Murakami kann man ohne Zweifel dazu zählen. Die Arbeit „Times Nature“ von 2018 beispielsweise zeigt auf anderthalb mal anderthalb Metern die ikonische Murakami-Blume mit Gesicht und ein Logo von Ablohs Modemarke „Off White“. Mehr ist da nicht. Aber selbst auf dem kleinen Format von Instagram erkennt man dank der Logoisierung sofort, was hier zu sehen ist: zwei Pop-Marken.

Das zweite Merkmal schlechter Kunst ist laut Saehrendt ein Mangel an Originalität. Er schreibt: „Ein Indiz für schlechte Kunst zeigt sich auch in der ständigen Wiederholung und Verwässerung einer einstmals originellen Idee.“

Das ewige Dechiffrieren durch Ablohs „Anführungszeichen-Erklärungen“ gehört da sicher genauso dazu, wie wie Murakamis immer wiederkehrende Comic-Figuren. Die schlichte Kombination von beidem auf einer Leinwand macht demnach keine gute Kunst, sondern eher schlechte.

Außerdem merkt Saehrendt an, dass ein zu starker Fokus auf die Biografie der Künstler, ein weiteres Indiz sein könnte. Dass die meisten Besucher der „Technicolor 2“-Ausstellung wohl eher ein Interesse an den Machern als an der gezeigten Kunst haben dürften, lässt sich anhand des omnipräsenten Hypes um den neuen Louis Vuitton-Designer Virgil Abloh erahnen.

Saehrendt schreibt weiter, dass wir uns einer Zeit befinden, in der Kunstwerke leeren Behältern gleichen, die beliebig mit Kapital gefüllt werden können. Erst durch Zuschreibungen und „allseitigen Lobhudeleien“ werde die ernüchternde Funktion der Kunst verklärt. «Bilder ohne Text wirken peinlich, wie ein nackter Mensch im öffentlichen Raum», zitiert er den Kunstwissenschaftler Boris Groys.

Und auch diese Methode findet sich recht unverblümt bei Murakami und Abloh, wenn Gagosian die beiden in pathetisch-schwülstigten Texten folgendermaßen zitiert:

„We want to see the newest things. That is because we want to see the future, even if only momentarily. It is the moment in which, even if we don’t completely understand what we have glimpsed, we are nonetheless touched by it. This is what we have come to call art.“ (Takashi Murakami)

„We are driven by an innate ambition to make artworks that are shaped by societal observations—in a variety of media—which by their existence produce a new cultural impact.“ (Virgil Abloh)

Und schon fast größenwahnsinnig fügt die Gagosian Galerie hinzu:

„The two artists, kindred spirits from different sectors of a broader cultural zone, reflect incisively on the signs of the times in which we live, while working to disrupt the stratifications of cultural production.“

Die eigentliche Kunst des Virgil Abloh scheint darin zu bestehen, das kapitalistische Spiel mit dem allgegenwärtigen Markenlogo, das qua definitionem plakativ ist und dem immer auch ein Preisschild anhaftet, weiter und weiter zu spielen und von der Musik- über die Modebranche bis nun hin zur Kunst anzuwenden, und das den Leuten als Subversion zu, ja!, verkaufen.

Die Ausstellung „Technicolor 2“ wird vom 23. Juni bis zum 28. Juli 2018 im GAGOSIAN Project Space in der 4 rue de Ponthieu in 75008 Paris zu sehen sein.

Category: News

Von: Carl Jakob Haupt

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