Im Interview: Münchner Kreativ-Kollektiv ‚THE STU‘

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8:30 München. Überquert man einen Parkplatz und steigt mehrere verwinkelte Treppe eines abgelegten Gebäudes hoch, ist da eine weiße Doppeltür auf der ein kleiner Zettel hängt. Aufschrift: ‚The Stu‘.

Dahinter ein riesiger Raum, weiße Tische mit iMacs darauf, links ein schlichtes Regal, auf dem sich Bücher und Magazine fein drapiert stapeln, am Ende des Raumes ein ewig langer Holztisch mit Bänken, links davon eine Fotowand. „The Stu“ begann mal als Co-Working Space. “Die Münchner Kulturszene floriert auch dank des Kollektivs” findet das ZeitMagazin.

Ein Gespräch über die Entwicklung zu einer kreativen Gemeinschaft, über den hilfreichen Druck, den der Münchener Wohnungsmarkt darauf hat etwas zu Schaffen, über das enorme Potenzial der heutigen Generation von 15-Jährigen, über Instagram als Reality-TV und Twitter als das neue Medium der gelangweilten Cool-Kids.

Ein Interview mit Modefotograf Christoph Schaller, der unter anderem für ADIDAS, Louis Vuitton und Burberry fotografiert und dessen Bilder bereits im New York Magazine, bei i-D, als auch im Interview Magazine erschienen sind – und mit dem Team des AmazedMags, die sich seit vier Jahren auf ihrem Blogzine mit Mode, Popkultur – und Lifestylethemen beschäftigen und gleichzeitig mit gesellschaftskritischen Beiträgen über Themen wie Feminismus auffallen.

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Dandy Diary: Aus welcher Situation heraus ist ‘The Stu’ entstanden?

Christoph Schaller : Vorher war der Raum hier das Atelier eines Modelabels. Ferdinand und ich haben den Raum dann mehr aus Zufall bekommen, ohne das Bedürfnis nach einem Büro. Aber warum nicht? Wir hatten nicht von vornherein ein Konzept. Wir saßen hier zu zweit und dachten uns: Es wäre nice, wenn hier noch mehr Leute wären. Und dann kamen AmazedMag auf uns zu. Mittlerweile sind wir 30 Leute.

Dandy Diary: Die passen aber nicht alle hierhin, oder?

Christoph Schaller: Nein, aber viele Filmemacher und Fotografen sind nicht immer da. Es ist vermutlich die neue Arbeitswelt, dass wir nicht jeden Tag an den gleichen Tisch gehen. Mal arbeitet man den halben Tag da, mal von da. Du wirst selten Tage erleben, an denen du hier reinkommst und keinen Platz findest.

Dandy Diary: Ihr teilt euch also die Miete und jeder kann kommen, wann er will?

Amelie Kahl: Es zahlt jeder Miete und es zahlt auch jeder gleich viel. Viele Fotografen machen hier aber auch nur Shootings und setzen sich nicht an die Schreibtische. Jeder nutzt die Räume für sich anders. Es gibt echt nur eine Handvoll Leute, die hier täglich am Laptop arbeiten. Deshalb funktioniert es auch echt gut.

Christoph Schaller : Das bedeutet es ist schon so super easy und für Münchener Verhältnisse ist die Miete lächerlich wenig. Deshalb lohnt es sich selbst für Fotografen hier alle drei Monate mal Fotos zu machen. Das ist eben immer noch viel billiger als wenn du dir ein Studio mietest.

Antonia Wille : Wir haben aber auch ein paar Jüngere in unserem Scholarship Programm, die keine Miete zahlen.

Christoph Schaller: Genau. Irgendwann haben uns Leute wegen Praktika angeschrieben.  Die meisten von uns haben allerdings nicht die Kapazitäten, um sich die ganze Zeit um eine Person zu kümmern. Machen würden wir es trotzdem gerne. Wir haben dann überlegt: Was können wir damit machen?

Ich glaube auch, dass das klassische Praktikum in vielen Fällen so nicht mehr funktioniert. Die meisten können schon so viele Sachen, man muss ihnen keine dummen Aufgaben geben, die sie für dich machen sollen. Aus dem Gedanken heraus haben wir ein Konzept entwickelt, eine Art Stipendium. Wir haben mittlerweile acht Leute hier, die kreative Sachen machen, damit aber noch kein Geld verdienen. Die können die ganzen Sachen mitbenutzen, wie alle anderen auch – aber sie zahlen eben keine Miete. Ich liebe das. Das ist mein Lieblingsprojekt von all dem, was wir machen.

Milena Heißerer: Wir haben letztens eine Publikation herausgebracht, weil wir alle gemeinsam auftreten wollten. Die Idee ist es, sich immer auf ein Thema, ein Wort zu spezialisieren. Dieses mal war es ‘Entscheidungen’. Die allerersten, die da Einsendungen gebracht haben, waren unsere ganz jungen Leute. Und es war so geil, was die gemacht haben.

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Dandy Diary: Wie alt sind eure Jüngsten?

Christoph Schaller: Von 15 bis 22. Die sind eben teilweise auch noch in der Uni.

Amelie Kahl: Oder in der Schule. Manche sitzen dann in den Sommerferien Vollzeit hier drinnen.

Antonia Wille: Der eine kam immer am Wochenender hierher, weil er eben in der Woche zur Schule muss.

Christoph Schaller: Man hat gar nicht das Gefühl “der Ältere” zu sein. Ich liebe es zum Beispiel Liva, eine unserer Fotografinnen, mit ihrer Crew zu sehen. Sie ist erst fünfzehn oder sechzehn – dadurch bekommt man ein Gefühl dafür, was zehn Jahre jünger gerade passiert.

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Dandy Diary: Was entscheidet darüber, dass ihr nicht nur ein Co-Working Space, sondern ein Kollektiv seid?

Christoph Schaller: Das ist sehr organisch entstanden. Es ist kein Konkurrenzdenken und niemand geht hier so für sich rein. Es ist schon relativ familiär. Daraus ist dann auch die Motivation entstanden, gezielt gemeinsame Projekte zu machen. Zuerst waren das zwei Ausstellungen, die wir zum Teil kuratiert haben, auch externe Arbeiten oder Lesungen.

Amelie Kahl: Und Vorträge. Wir hatten eine Ausstellung mit Geflüchteten. Das war vor zwei Jahren. Da haben wir deren Handyfotos von ihrer Flucht kuratiert. Da haben eine Handvoll Leute von uns ein halbes Jahr recht eng mit denen zusammengearbeitet.

Dann hatten wir letztens die Ausstellung zu unserer Publikation, da wurden bestimmte Auszüge größer gemacht und kuratiert.

"Da war so die Idee zu forcieren, dass wir mal was gemeinsam machen. Es ist halt superspannend verschiedene Level zusammenzubringen."

"Es passiert nämlich normalerweise nicht in der Kreativwelt, dass solche Leute in einem gemeinsamen Heft vorkommen."

Dandy Diary: Wann habt ihr euch den Namen gegeben? Wofür steht ‘The Stu’?

Christoph Schaller: Wir hatten mal drei Jungs hier, die sehr hip hop waren und auch aus dem Bereich kamen. Mittlerweile sind die nicht mehr da, aber die meinten immer so: „Ey, ist noch jemand im Stu?“ Die haben immer diese Abkürzung für Studio genutzt. Und der Filmemacher Max ist dann auf die Idee gekommen: „We just call it the stu.“

Dandy Diary: AmazedMag spricht auch gesellschaftliche Themen an. Ihr habt vorhin erzählt, dass ihr auch viel zur Wahl berichtet habt. Inwiefern beeinflusst das politische Geschehen eure gesamte Arbeit als Kollektiv?

Christoph Schaller: Uns ist es wichtig neben der Arbeit einen Ort zu haben – sowohl physisch als auch geistig – wo Ideen geteilt werden, wo man neues kennenlernen kann. Wöchentlich teilen wir zum Beispiel in unserer Facebook-Gruppe Artikel und Ideen. Die sind alle sehr unterschiedlich. Viel Gesellschaft, viel Politik, aber auch Tech-Innovationen.

Amelie Kahl: Arbeiten bedeutet für uns eben nicht nur im Büro zu sitzen, auf der vergeblichen Suche nach einer Work-Life-Balance zu sein. Das gehört bei ‘The Stu’ zusammen – dass man darüber nachdenkt, was da draußen passiert, wie man sein Leben besser machen kann und weniger auf Kosten anderer lebt. Wir versuchen im Stu selbst Zero Waste zu machen. Sodass alle Mitglieder und alle die mal Bock haben hierher zukommen auch darüber nachdenken.

Dandy Diary: In München ist die kreative Szene eher überschaubar – habt ihr euch mit „The Stu“ einen eigenen Raum geschaffen – für euch und andere?

Amelie Kahl: Absolut. Dadurch, dass wir diesen Raum haben und dadurch, dass wir nicht so viel zahlen, wollen wir auch, dass andere das hier mitbenutzen können. Es gibt sonst nicht viele Stationen in München. Generell würde ich sagen, dass die Kreativszene hier sich sehr unterstützt und dass es da keinen Wettbewerb gibt. Klar, in Berlin ist jeder kreativ. Hätten wir dort „The Stu“ und würden sagen: „Kommt alle vorbei“, dann würde es glaube ich ein bisschen voll. Da ist es hier natürlich leicht.

Dandy Diary: Das Klischee-Bild, das man von München hat ist ja eher konservativ –  wertende Blicke, wenn man sich „anders“ kleidet als die Norm – Stimmt das?

Christoph Schaller: Superlustig, gestern war ich mit einem Kumpel von mir, Marc von 032C, kurz bei LOEWS, dann sind wir schräg gegenüber in das Restaurant L’Osteria. Da ist dann auch echt eher die pelztragende, geldige Fraktion aus München vertreten. Es hängt schon sehr davon ab, wo man hingeht. Antonia Wille: Jeder von uns kennt hier seine Ecken, es ist schon nicht nur so, dass überall pelztragende Leute herumhängen.

Amelie Kahl: Trotzdem ist es hier anders. Selbst in den kreativeren Vierteln ist es zwar lockerer, aber es sehen alle relativ ähnlich und gedeckt aus. Es ist nicht so: „Express yourself“. In Berlin leben viele jüngere Leute, die sich anziehen wie sie wollen, wodurch man auch das Gefühl hat mehr machen zu können, es interessiert ja eh keine Sau. In München fällt man auf, wenn man auffallen will.

Hi my name is @ameliekahl #stutakeover

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Dandy Diary: Wie ist es im ‚The Stu‘ selbst?

Christoph Schaller: Super unterschiedlich. Das finde ich so spannend. Wir haben Leute, die so extrem „Fashion“ sind und immer über alles Bescheid wissen, immer am neusten Ding oder sogar eins drüber sind. Gleichzeitig sind hier auch Leute die einfach zurückhaltend in ihrem persönlichen Stil sind – aber eben auch im Kreativbereich arbeiten.

Milena Heißerer: Wir sagen nicht, was cool ist oder beharren auf einer gemeinsamen Linie. Das sieht man auch in unserer Publikation. Da kommen ganz unterschiedliche Sachen zusammen. Es soll nicht schon wieder ein Ding in München sein, das vorgibt, wie man auszusehen hat.

Dandy Diary: Wie würdet ihr München gegenüber den Leuten, die überlegen herzuziehen, erklären?

Christoph Schaller: Ich mag die Diskussion nicht, dass wenn du kreativ sein willst, du nach Berlin ziehen musst, weil dort die Mieten günstig sind. In London und New York sind die Mieten noch brutaler und dort sind viel krassere Leute. Anscheinend ist der Faktor, dass du Geld mit dem verdienen musst, das du tust, auch eine Art Konkurrenz. Die Leute hier müssen sich eben behaupten. Du kannst nicht vor dich hin dudeln. Klar, das kann auch schön sein. Aber wenn du gleichzeitig den Druck hast, erzeugt es schon was positives.

Milena Heißerer: Es geht hier nicht nur um das ‚Express yourself‘-Ding aus Berlin, sondern auch mehr allgemein mehr darum, das du was machst – und schaffst. Das ist dann vielleicht auch Teil des Understatements, das hier herrscht. Dass du nicht die ganze Zeit der ausgeflippteste Mensch nach außen bist, aber geile Sachen machst.

Antonia Wille: Das ist wahrscheinlich in London und New York genauso, du kannst hier halt nicht so viel labern und nichts tun. Du musst hier auch was machen, weil du es dir sonst nicht leisten kannst.

“Du musst irgendwann anfangen Geld mit deinem Ding zu verdienen, sonst kannst du eben wegziehen.”

Amelie Kahl: Aber ich finde es auch echt ganz schön, was zu schaffen. Und es geht jetzt nicht darum 9 to 5 in der Arbeit zu sitzen, sondern sich einen Wecker zu stellen, ein paar Sachen zu erledigen. Und nicht erstmal über das Leben nachzudenken, sondern einfach Mal zu sagen: Ich mache jetzt meine Sachen, kenne meine Leute und habe meine Ziele.

Christoph Schaller: Es gibt wirklich gute Leute, die offen sind und nicht „zu cool“ oder „zu gut“ sind um sich mit neuen Leuten zu beschäftigen. Abgesehen von den Projekten, mit denen sie ihre Miete verdienen sind die extrem am Start wenn es darum geht eigene Sachen zu machen oder andere Projekte zu starten.

Dandy Diary: Auch in einem sehr offenen Job kann man Kreativität ja nicht auf Anhieb abrufen – wie funktioniert das bei euch, wie motiviert ihr euch?

Amelie Kahl: Ich denke man muss einfach lernen, Kreativität zu kanalisieren. Es ist schön, wenn du kreativ bist, aber wenn du dein Leben nicht auf die Reihe bekommst, bringt es dir nichts. Das versuchen wir auch den Leuten ein bisschen mitzugeben. Wie willst du leben? Willst du jeden Tag bis 12 pennen, jeden Abend saufen, nur feiern gehen – oder willst du einen Rhythmus, ein Leben, willst du conscious sein und darüber nachdenken, wie du dein Leben gestaltest?

Christoph Schaller: Diesen Unterschied, an den man sich selbst lange gewöhnt hat, merkt man auch bei den Jüngeren. Einerseits mache ich auch Bilder für mich, andererseits muss man eben auch diese Rolle als Dienstleister annehmen. Das irritiert oftmals bei den ersten Jobs der Jüngeren. Es braucht auch die Fähigkeit eine Balance zwischen kreativ sein und Kreativität abrufen können, zu finden.

Antonia Wille: Unsere Praktikantin dachte auch, dass wir uns treffen und permanent über kreative Dinge reden. Aber es geht eben auch ums Business – das man eben braucht, um weiter kreativ sein zu können.

Dandy Diary: Sprechen wir über Instagram. Jeder kann es nutzen, jeder kann Selfmade-Fotograf sein. Ist das jetzt die „Demokratisierung“ der Kunst oder wird das Künstlerische dadurch eher vereinheitlicht? Wie seht ihr diese Entwicklung?

Christoph Schaller: Ich bin sehr Pro gegenüber alldem – nicht nur Instagram, sondern auch Blogs, dem Internet eben. Ohne all das würde ich wahrscheinlich auch nicht mit Fotos Geld verdienen. Natürlich schafft es erstmal eine Welt, in der die Etablierten sagen, dass das alles nicht die Qualität hätte, die es vielleicht gehabt hätte, wenn man mehr Hürden hat. Aber ich denke, dass das ein Punkt ist, der sich mit der Zeit wieder herauskristallisiert.

Im Endeffekt bildet auch Instagram das Nutzerverhalten der Leute wieder. Und so wie es eben RTL und ARTE gibt, gibt es auch .. Name 1 und Name 2.

Milena Heißerer: Ich glaube es kommt auch sehr darauf an, dass sich jeder bewusst ist, dass man das selber in der Hand hat, was man sieht. Und dass man eben in der Zukunft noch viel mehr herausfiltern muss, was man überhaupt sehen will und mit was man sich eben nicht überschwemmen lassen will.

Christoph Schaller: Mich als Fotomenschen langweiligen Insta-Storys zum Beispiel extrem, weil das alles so banalisiert wird. Andererseits sehe ich da eben auch die Daseins-Berechtigung, weil das einfach Next-Level Reality-TV ist. Ich glaube auch, dass es in Zukunft noch sehr viel krasser wird. Warum sind die berühmtesten Leute der Welt Reality-TV Serien? Das zeigt ja eigentlich schon, dass da was passiert, dass es eine Audience hat.

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Dandy Diary: Welche Bewegungen, Musiker, welche Themen beschäftigen euch gerade, was kommt als nächstes?

Christoph Schaller: Mich interessieren viel mehr so gesellschaftliche, auch wirtschaftliche Sachen, die sich dann auch in der kreativen Arbeit widerspiegeln. Ich interessiere mich gerade sauviel für Architektur. Zum Beispiel das Konzept von Arno Brandlhuber, der versucht preiswert und gleichzeitig zeitgemäß zu bauen. Das ist ja im Endeffekt die Ideallösung für das Platzproblem, das ja auch in München akut ist. Oder auch Mobilität. Das sind so Dinge, die wir von den Generationen vor uns bekommen haben, die einfach so da sind. Eigentlich sind diese Dinge aber so rückständig. Wieso lädt man auf Straßen nicht sein Auto durch die Reifen auf? Mich interessiert so gesellschaftlicher Futurismus. Deshalb interessiert es mich auch so, hier Projekte zu machen. Weil man das gut in Film und Fotografie importieren kann.

Amelie Kahl: Bei mir ist es social-media mäßig gerade Twitter. Da bildet sich gerade die neue Generation von Punk. Die wissen so krass Bescheid, die könnten die ganze Zeit shoppen, sich geile Bilder anschauen. Gleichzeitig sind sie gelangweilt, übersättigt. Die Repräsentanten dieser Generation sind eigentlich Rin, Yung Hurn und so weiter. Die scheißen auf Rechtschreibung, machen keine Kommata, unterscheiden aber zwischen ‚das‘ und ‚dass‘. Im Sinne von: Sie machen das alles bewusst, weil sie eben rotzig sein wollen. Ich habe das Gefühl, dass es in Deutschland bald mehr um Twitter, das Fun-Medium gehen wird. Vor allem weil es dort ja auch noch keinen Algorithmus gibt.

Christoph Schaller: Ich glaube, dass die Strömung immer von dem Medium weg geht, das gerade sehr kommerzialisiert wird. Auf Instagram ist ja jeder vierte Post sponsored und es ist allgemein sehr produktlästig geworden. Das ist jetzt die ‚Scheiß drauf‘-Ästhetik der Leute, die aber gleichzeitig voll im Thema sind. Normcore ist: Man weiß so sehr Bescheid über alles, dass man so Basic wie möglich ist. Die Generation jetzt ist das nächste Level. Man geht so ironisch damit um, wie man sich kleidet und darstellt, mit ungefiltertem Scheiß-Drauf Filter – Anti-Core eben.

Category: Special

Tags: München, The Stu

Von: Angelika Watta

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